Mineralfutter-Etikett richtig lesen — worauf es ankommt
Der Sack verspricht viel, das Etikett ist klein gedruckt — und die entscheidende Zahl steht gar nicht drauf. Denn was zählt, ist nicht der Gehalt je Kilogramm, sondern was pro Tag tatsächlich im Pferd landet.

Worauf man zuerst schaut
Zwei Angaben gehören zusammengelesen: der Gehalt je kg und die empfohlene Fütterungsmenge pro Tag. Ein hoher Gehalt nützt nichts, wenn laut Empfehlung nur eine Miniportion gefüttert wird — und umgekehrt.
Die Rechnung, die kaum jemand macht
Ein Beispiel: Auf dem Sack stehen 5.000 mg Zink je kg, empfohlen werden 30 g pro Tag.
Zum Vergleich: Der Erhaltungsbedarf eines Warmbluts liegt größenordnungsmäßig bei 400–500 mg Zink pro Tag — bei knapper Grundration eher mehr. Das Beispielprodukt deckt in der empfohlenen Dosis also nur einen Teil davon.
So entlarvt man Produkte, die auf dem Papier stark aussehen, aber in der tatsächlich gefütterten Menge wenig liefern.
Organisch oder anorganisch — relevant oder Marketing?
Teils relevant. Organisch gebundene Spurenelemente (etwa als Chelat) sind meist etwas besser verfügbar. Deutlich wird der Unterschied bei Selen: organisch gebundenes Selen aus Selenhefe ist besser verfügbar und in der Handhabung sicherer als anorganisches Natriumselenit.
Bei den übrigen Elementen entscheidet allerdings meist die passende Menge mehr als die Bindungsform. Also: kein reines Marketing — aber auch kein Grund, jeden Aufpreis mitzunehmen.
Welche Versprechen man ignorieren darf
„Hochdosiert“ ohne Zahl, „ganzheitlich“, lange Kräuterlisten mit Entgiftungs-Anspruch, „proprietäre Mischung“ ohne Mengenangaben. Was man nicht nachrechnen kann, kann man nicht beurteilen. Ein gutes Etikett macht Mengen transparent — ein schlechtes versteckt sie hinter Schlagworten.
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