„Übersäuerung“ beim Pferd — was dran ist und was Marketing
In der Futterwerbung ist „Übersäuerung“ ein Dauerbrenner. Entsäuerungskuren, Basenpulver, Entgiftungsprogramme — kaum ein Begriff verkauft besser. Schauen wir uns an, was fachlich dahintersteckt.

Der Magen: Säure ist der Normalzustand
Der Pferdemagen produziert rund um die Uhr Magensäure, unabhängig davon, ob gerade gefressen wird. Das ist keine Störung, sondern die Bauart eines Tieres, das evolutionär fast pausenlos frisst.
Der Gegenspieler ist der Speichel — und der entsteht nur beim Kauen. Raufutter erfordert viele Kauschläge und damit viel Speichel; Kraftfutter deutlich weniger.
Daraus folgt das eigentliche Problem: lange Fresspausen. Ein leerer Magen produziert weiter Säure, ohne dass gepuffert wird. Genau hier entstehen Magenprobleme — nicht durch eine mysteriöse „Übersäuerung des ganzen Körpers“.
Der Dickdarm: hier kippt tatsächlich etwas
Der zweite, oft gemeinte Vorgang spielt sich weiter hinten ab. Kommt zu viel Stärke unverdaut im Dickdarm an — etwa bei großen Kraftfuttermengen auf einmal —, vergären Mikroorganismen sie zu Säuren. Der pH-Wert sinkt, ein Teil der Bakterienflora stirbt ab, dabei werden Zellbestandteile frei, die die Darmschleimhaut reizen und den Stoffwechsel belasten können.
Das ist real. Nur heißt die Antwort darauf nicht „Entgiftungskur“, sondern: weniger Stärke pro Mahlzeit, mehr Struktur, kürzere Pausen.
Was „Übersäuerung“ nicht ist
Ein wichtiger Punkt zur Einordnung: Eine echte Übersäuerung des Blutes ist ein ernster medizinischer Zustand, der bei einem ansonsten gesunden Pferd nicht einfach durch Fütterung entsteht — der Körper reguliert den Blut-pH sehr eng. Wenn im Stall von „Übersäuerung“ gesprochen wird, sind fast immer Magen- oder Dickdarmmilieu gemeint.
Warum Entgiftungskuren selten die Antwort sind
Sie setzen am Symptom an, nicht an der Ursache. Solange die Ration unverändert bleibt, entsteht dasselbe Milieu jeden Tag neu. Manche Bindemittel nehmen zudem Mineralstoffe mit, die das Pferd eigentlich braucht.
Der unspektakuläre Weg, der tatsächlich wirkt:
- Raufutter zuerst und in ausreichender Menge
- Fresspausen kurz halten
- Kraftfutter auf mehrere kleine Mahlzeiten verteilen statt einer großen Portion — wie viel im Einzelfall passt, hängt stark vom Pferd, seiner Arbeit und der übrigen Ration ab
- Struktur vor Energie bei der Auswahl des Raufutters
Futteranalyse & Beratung
Statt zu raten, was deinem Pferd fehlt: Die Analyse zeigt es dir — verständlich erklärt, mit konkreten Empfehlungen für deinen Stallalltag.
Mehr erfahren · 160 € →
Equi Therapy
