Der schleppende Fellwechsel — warum er so viel Kraft kostet
Manche Pferde wechseln das Fell in wenigen Wochen. Andere brauchen gefühlt von August bis Mai. Der Unterschied hat selten mit „Typ“ zu tun.

Was im Körper passiert
Der Fellwechsel wird über die Tageslichtlänge gesteuert, nicht über die Temperatur — deshalb beginnt der Winterfellwechsel oft schon im Spätsommer, wenn es sich noch nach Hochsommer anfühlt.
Für den Körper ist das ein Kraftakt: Ein komplettes Haarkleid muss abgestoßen und neu aufgebaut werden. Der Stoffwechsel läuft auf Hochtouren, und der Bedarf steigt spürbar an:
- Zink und Kupfer für Haut- und Haarbildung
- Schwefelhaltige Aminosäuren als Keratin-Baustoff — also ausreichend hochwertiges Eiweiß
- Mangan und Selen
- Biotin und B-Vitamine
- schlicht Energie
Woran man erkennt, dass es hakt
- Das alte Fell wird nur zögerlich abgestoßen, das Pferd bleibt lange „struppig“
- Das neue Fell wächst matt, dünn oder stumpf nach
- Das Pferd wirkt müde, antriebslos, baut muskulär eher ab
- Die Anfälligkeit für Hautthemen steigt
Der häufigste Fehler: zu spät reagieren
Wenn das Pferd mitten im Fellwechsel steckt und stumpf aussieht, beginnt die hektische Suche nach dem richtigen Zink-Präparat. Nur: Der Bedarf ist jetzt gerade am höchsten, und die Speicher sind bereits leer.
Sinnvoller ist der umgekehrte Weg: die Versorgung vor dem Fellwechsel prüfen und Lücken schließen, damit der Körper aus vollen Speichern schöpfen kann. Das ist der Grund, warum ich den Spätwinter bis zum beginnenden Fellwechsel als besten Zeitpunkt für eine Analyse empfehle.
Wichtig: Wann es kein Fütterungsthema ist
Bitte lies diesen Abschnitt, bevor du an der Fütterung schraubst.
Ein auffällig schleppender oder unvollständiger Fellwechsel kann ein Anzeichen für PPID, das Equine Cushing-Syndrom, sein. Besonders dann, wenn mehrere dieser Punkte zusammenkommen:
älteres Pferd · lange, gelockte Haare an Beinen, Unterhals oder Kopf · Muskelabbau · vermehrtes Trinken und Harnen · wiederkehrende Infekte · Hufrehe-Neigung · Fetteinlagerungen über den Augen.
Das ist kein Fall für Mineralfutter, sondern für den Tierarzt. PPID lässt sich über einen Bluttest abklären und gut behandeln — aber keine noch so gute Ration ersetzt diese Diagnose. Wenn dir diese Kombination bekannt vorkommt, ruf bitte zuerst deinen Tierarzt an.
Was du praktisch tun kannst
- Frühzeitig auf die Versorgung schauen, nicht erst im Fellwechsel
- Die Eiweißqualität der Ration prüfen, nicht nur die Menge
- Beim Putzen die Durchblutung anregen — das hilft beim Abstoßen des alten Fells
- Realistisch bleiben: Auch ein gut versorgtes Pferd braucht mehrere Wochen
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